Heizungstechnik umfasst Wärmeerzeugung, Verteilung und Regelung: Kessel oder Übergabestation, Rohrnetz, Heizflächen und Steuerung. Vor jeder Auslegung steht die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, denn nur sie sagt, wie viel Leistung ein Gebäude im Auslegungsfall tatsächlich braucht. Danach folgen die Heizflächen und der hydraulische Abgleich, der jedem Raum genau die Wassermenge zuteilt, die er benötigt. Eine zu groß gewählte Anlage taktet, verschleißt schneller und verbraucht mehr, ohne dass es im Wohnzimmer wärmer wird.
Die meisten Heizungen in Berliner Bestandsgebäuden sind zu groß. Das liegt daran, dass die Leistung über Jahrzehnte nach Faustformeln je Quadratmeter festgelegt wurde und beim Kesseltausch schlicht die alte Zahl übernommen wurde, obwohl inzwischen Fenster getauscht und Dächer gedämmt worden sind.
Eine überdimensionierte Anlage erreicht ihre Solltemperatur zu schnell, schaltet ab, kühlt aus und startet wieder. Dieses Takten ist der größte Einzelverschleiß an einem Wärmeerzeuger und der Grund, warum baugleiche Geräte in einem Haus fünfzehn Jahre halten und im nächsten acht.
Deshalb rechnen wir vor dem Angebot. Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 kostet etwas Zeit, ist aber die Grundlage für alles Weitere: für die Gerätegröße, für die Auslegung der Heizflächen, für den hydraulischen Abgleich und für die Frage, ob eine Wärmepumpe im Gebäude überhaupt sinnvoll arbeiten kann.
Was wir in der Heizungstechnik ausführen
Planung und Installation
Heizungsanlagen für Gas, Öl und Fernwärme, von der Auslegung über die Montage bis zur Inbetriebnahme mit Einregulierung. Bei Fernwärme die Anlage hinter der Übergabestation des Netzbetreibers.
Brennwerttechnik
Auslegung so, dass die Anlage im Betrieb tatsächlich kondensiert. Das gelingt nur bei niedriger Rücklauftemperatur, weshalb Heizflächen und Regelung mit betrachtet werden und nicht nur das Gerät.
Fußboden- und Wandheizung
Flächenheizung im Neubau und im Bestand, auch als Dünnschichtsystem bei begrenzter Aufbauhöhe. Verlegeabstand und Vorlauftemperatur werden raumweise gerechnet.
Heizkörper und Montage
Austausch und Neumontage, Auslegung auf die vorgesehene Vorlauftemperatur, bei Bedarf Vergrößerung der Heizfläche, damit niedrigere Temperaturen möglich werden.
Hydraulischer Abgleich
Raumweise Berechnung, Einstellung der Ventile, Anpassung von Pumpe und Heizkurve, Protokoll zur Anlage. Bei Förderprogrammen ist das ohnehin Voraussetzung.
Modernisierung im Altbau
Kesseltausch, Erneuerung des Rohrnetzes, Dämmung der Verteilleitungen im unbeheizten Keller, Umstellung auf niedrigere Systemtemperaturen.
Wartung und Störungsdienst
Jährliche Wartung mit Prüfung von Sicherheitseinrichtungen, Ausdehnungsgefäß und Verbrennungswerten, dazu Reparatur bei Störungen.
Ablauf einer Heizungsinstallation
- 01BestandsaufnahmeAufnahme von Gebäude, vorhandenen Heizflächen, Rohrnetz, Schornstein oder Übergabestation und der bisherigen Verbräuche.
- 02Heizlast und KonzeptBerechnung nach DIN EN 12831 raumweise, daraus Gerätegröße, Systemtemperatur und Heizflächen. Erst danach steht fest, welche Technik passt.
- 03Angebot nach PositionenGerät, Rohrnetz, Heizflächen, Regelung und Abgleich getrennt ausgewiesen. Was erst nach dem Öffnen von Schächten beurteilbar ist, steht als offene Position darin.
- 04MontageDemontage der Altanlage und Entsorgung, Aufbau von Erzeuger, Verteilung und Heizflächen, Spülen und Befüllen des Netzes nach den Vorgaben des Herstellers.
- 05Inbetriebnahme und AbgleichEinregulierung, hydraulischer Abgleich, Einstellung der Heizkurve, Messung der Verbrennungswerte, Protokolle zur Anlage.
- 06Einweisung und ÜbergabeErklärung der Regelung im laufenden Betrieb, Übergabe der Unterlagen und Festlegung des Wartungsintervalls.
Vorlauftemperatur, Abgleich und die Frage nach der richtigen Größe
Die wichtigste Zahl einer Heizungsanlage ist nicht die Kesselleistung, sondern die Vorlauftemperatur. Sie entscheidet darüber, ob ein Brennwertgerät überhaupt kondensiert, ob eine Wärmepumpe wirtschaftlich läuft und wie hoch die Verluste in den Verteilleitungen sind. Wer die Vorlauftemperatur senken will, muss die Heizflächen vergrößern oder die Wärmeverluste des Gebäudes verringern. Beides lässt sich rechnen, bevor etwas gekauft wird.
Der hydraulische Abgleich ist keine Feinjustage am Ende, sondern die Voraussetzung dafür, dass die berechnete Auslegung in der Wirklichkeit ankommt. Ohne ihn nimmt sich der Raum nahe der Pumpe zu viel Wasser und der entfernte Raum zu wenig, was üblicherweise mit höherer Vorlauftemperatur ausgeglichen wird. Genau das kostet dann jeden Winter Energie. Beim Abgleich mit raumweiser Heizlastberechnung wird jedem Heizkörper sein Volumenstrom zugeteilt und am Ventil eingestellt.
Beim Austausch eines Wärmeerzeugers ist außerdem der Rechtsrahmen zu beachten. Das Gebäudeenergiegesetz verlangt für neu eingebaute Heizungen einen Anteil erneuerbarer Energien, wobei für bestehende Gebäude Übergangsfristen gelten, die an die kommunale Wärmeplanung gekoppelt sind. Was für Ihr Gebäude gilt, hängt am Zeitpunkt und an der Wärmeplanung des Bezirks, deshalb klären wir das im Einzelfall und nicht pauschal auf einer Website.
Häufige Fragen
Wie oft muss eine Heizung gewartet werden?
Einmal jährlich ist der übliche Rhythmus und bei den meisten Herstellern Voraussetzung für die Garantie. Geprüft werden Sicherheitseinrichtungen, Anlagendruck, Ausdehnungsgefäß, Verbrennungswerte und Verschleißteile. Die Wartung ersetzt nicht die Prüfung durch den Schornsteinfeger, sondern ergänzt sie.
Warum wird mein Wohnzimmer nicht warm, obwohl die Heizung läuft?
In den meisten Fällen ist die Anlage nicht abgeglichen. Die Räume nahe an der Pumpe bekommen zu viel Wassermenge, die entfernten zu wenig. Ein hydraulischer Abgleich mit raumweiser Berechnung behebt das dauerhaft, ohne dass die Vorlauftemperatur angehoben werden muss.
Lohnt sich eine Fußbodenheizung im Altbau?
Oft ja, aber es hängt an der Aufbauhöhe und am Zustand des Bodens. Für geringe Höhen gibt es Dünnschichtsysteme, die sich auf den vorhandenen Estrich legen lassen. Sinnvoll ist eine Flächenheizung vor allem dann, wenn die Vorlauftemperatur ohnehin gesenkt werden soll.
Was kostet der Betrieb weniger, wenn abgeglichen wird?
Eine seriöse Zahl lässt sich vorher nicht nennen, weil der Effekt am Ausgangszustand hängt. Sicher ist: Nach dem Abgleich lässt sich die Vorlauftemperatur senken, ohne dass es kälter wird, und jedes Grad weniger reduziert die Verluste in Erzeuger und Verteilung.
Übernehmen Sie auch nur den Kesseltausch?
Ja, allerdings prüfen wir vorher, ob die vorhandene Auslegung noch zum Gebäude passt. Wird die Leistung des Altgeräts ungeprüft übernommen, ist das neue Gerät in einem zwischenzeitlich gedämmten Haus fast immer zu groß.


